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Kräuter- und Gemüsebeete im Krankenhaus: Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit

In einem Krankenhaus können Kräuter- und Gemüsebeete ein innovativer Schritt zu mehr Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz sein. Krankenhäuser produzieren große Mengen organischer Abfälle und haben einen kontinuierlichen Bedarf an frischen Lebensmitteln für Patienten- und Mitarbeiterverpflegung. Hier sind die Möglichkeiten und Einsparpotenziale:

1. Vorteile von Kräuter- und Gemüsebeeten im Krankenhaus

Gesundheit und Ernährung

  • Frische Zutaten für eine gesunde Ernährung:
    • Kräuter und Gemüse sind essenziell für gesunde und nahrhafte Mahlzeiten, die besonders für Patienten mit speziellen Diäten wichtig sind.
    • Direkt geerntete Produkte enthalten mehr Vitamine und Mineralstoffe.

Nachhaltigkeit und Abfallreduktion

  • Kreislaufwirtschaft:

    • Organische Abfälle aus der Krankenhausküche (z. B. Schalen, Essensreste) können in einem Biotank zu Dünger umgewandelt werden.
    • Dieser Dünger wird für die Kräuter- und Gemüsebeete verwendet.
  • Weniger Transportemissionen:

    • Eigene Produktion reduziert Lieferfahrten und den damit verbundenen CO₂-Ausstoß.

Kostenreduktion

  • Reduktion der Einkaufs- und Transportkosten für Kräuter und Salate.
  • Verringerung der Entsorgungskosten für Bioabfälle durch Wiederverwendung.

Therapeutischer Mehrwert

  • Kräuter- und Gemüsegärten können als therapeutische Gärten genutzt werden.
    • Patienten und Mitarbeiter profitieren von der beruhigenden Wirkung eines Gartens.
    • Einbindung in Reha-Programme oder Freizeitangebote.

Imagegewinn

  • Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein stärken das öffentliche Image des Krankenhauses.
  • Krankenhäuser können Vorreiter für ökologische und innovative Gesundheitsversorgung sein.


2. Technische Umsetzung im Krankenhaus

Standorte

  • Dachgärten: Ideal für größere Anbauflächen, da sie ungenutzte Flächen effizient nutzen.
  • Innenhöfe oder Grünflächen: Für Hochbeete oder traditionelle Gemüsebeete.
  • Indoor-Kräuterfarmen: In der Nähe der Küche, mit Hydroponik- oder vertikalen Anbausystemen.

Pflanzenwahl

  • Kräuter: Petersilie, Schnittlauch, Basilikum, Minze, Koriander, Rosmarin, Thymian.
  • Gemüse: Salate, Spinat, Radieschen, Cherrytomaten, Gurken, Paprika, Zucchini.
  • Essbare Blumen: Kapuzinerkresse, Lavendel.

Systeme und Technologie

  • Hydroponik oder Aquaponik:

    • Wassersparende Systeme, ideal für Indoor-Anbau.
    • Kombination mit Fischzucht (Aquaponik) für einen geschlossenen Nährstoffkreislauf.
  • Biotank für Abfallrecycling:

    • Verarbeitung der Bioabfälle aus der Krankenhausküche.
    • Produktion von nährstoffreichem Dünger für die Beete.
  • Automatisierte Bewässerung:

    • Tropfbewässerung oder smarte Systeme für minimalen Pflegeaufwand.

Integration mit Küchenprozessen

  • Direkte Lieferung von Kräutern und Gemüse aus den Beeten in die Krankenhausküche.
  • Nutzung des frischen Ertrags für Salate, Tees oder als Garnitur.


3. Wirtschaftlichkeit im Krankenhaus

Einsparpotenziale

  • Kräuter: Bei einem Verbrauch von 5 kg frischen Kräutern pro Tag (z. B. Petersilie, Schnittlauch) spart das Krankenhaus:

    • Einkaufskosten: 5 kg x 20 € x 365 Tage = 36.500 € jährlich.
    • Eigenanbau kann 80–90 % der Kosten eliminieren.
  • Salate und Gemüse:

    • Bei einem Verbrauch von 20 kg Salat oder Gemüse pro Tag:
      • 20 kg x 4 € x 365 Tage = 29.200 € jährlich.
      • Einsparung durch Eigenproduktion: 50–70 %.
  • Bioabfallentsorgung:

    • Reduktion der Entsorgungskosten: Einsparung von 5.000–10.000 € jährlich, abhängig von der Abfallmenge.

Investitions- und Betriebskosten

  • Einmalige Investition:

    • Kräuterbeete (Indoor, Hydroponik): ca. 10.000–20.000 € für ein großes Krankenhaus.
    • Hochbeete (Outdoor): 5.000–10.000 €, je nach Fläche.
    • Biotank: 50.000–100.000 €, je nach Kapazität.
  • Laufende Kosten:

    • Wasser, Strom (z. B. LED-Lampen): 1.000–3.000 € jährlich.
    • Pflege durch Personal: 1–2 Stunden täglich.

Amortisation

  • Einsparungen bei Lebensmitteln und Bioabfallentsorgung: 50.000–70.000 € jährlich.
  • Amortisation der Investitionskosten: 2–3 Jahre.


4. Beispiele und Best Practices

  • Therapeutische Gärten:

    • Einbindung in Therapieprogramme für Patienten (z. B. Gartentherapie).
    • Nutzung als Aufenthaltsbereich für Besucher und Mitarbeiter.
  • Selbstversorgungskonzepte:

    • Beispiele aus Krankenhäusern in Europa zeigen, dass bis zu 30 % der benötigten frischen Kräuter und Salate aus Eigenanbau gedeckt werden können.
  • Imageförderung:

    • Öffentlichkeitsarbeit: Nachhaltigkeitsprojekte können in Medien und Berichten hervorgehoben werden.


Zusammenfassung

Die Einführung von Kräuter- und Gemüsebeeten im Krankenhaus bietet ökologische, wirtschaftliche und gesundheitliche Vorteile. Neben der Kostenersparnis stärken solche Projekte das Image und bieten einen Mehrwert für Patienten, Mitarbeiter und die Umwelt.


Die Größe eines Kräutergartens im Krankenhaus hängt von mehreren Faktoren ab, darunter der tägliche Bedarf an frischen Kräutern und die Anzahl der Mahlzeiten, die täglich zubereitet werden. Hier eine detaillierte Einschätzung:


Schritte zur Ermittlung der benötigten Fläche

  1. Ermittlung des Kräuterbedarfs

    • Krankenhäuser verwenden frische Kräuter hauptsächlich für:
      • Garnituren
      • Tees
      • Aromatisierung von Speisen
    • Beispiel:
      • 1 Mahlzeit benötigt durchschnittlich 5–10 g Kräuter (z. B. Petersilie, Schnittlauch).
      • Bei 1.000 Mahlzeiten pro Tag liegt der tägliche Bedarf bei 5–10 kg Kräutern.
  2. Ertrag pro Quadratmeter Kräutergarten

    • Freilandanbau (Outdoor):
      • Kräuter wie Petersilie oder Schnittlauch liefern ca. 1–3 kg pro m² pro Jahr.
    • Hydroponik oder vertikale Systeme (Indoor):
      • Bis zu 20 kg pro m² pro Jahr, da mehrere Ernten möglich sind.
  3. Flächenbedarf je nach Anbausystem

    • Für 5–10 kg Kräuter pro Tag (ca. 1.825–3.650 kg pro Jahr):
      • Freilandanbau: 1.000–1.500 m².
      • Hydroponik oder vertikales System: 100–200 m² (10-fach höhere Effizienz).


Empfohlene Größen für unterschiedliche Szenarien

  1. Kleines Krankenhaus (z. B. 100–300 Betten)

    • Mahlzeiten pro Tag: ca. 300–900.
    • Täglicher Kräuterbedarf: ca. 1,5–4,5 kg.
    • Flächenbedarf:
      • Outdoor: 500–800 m².
      • Hydroponik: 50–80 m².
  2. Mittleres Krankenhaus (z. B. 300–600 Betten)

    • Mahlzeiten pro Tag: ca. 900–1.800.
    • Täglicher Kräuterbedarf: ca. 4,5–9 kg.
    • Flächenbedarf:
      • Outdoor: 800–1.200 m².
      • Hydroponik: 80–150 m².
  3. Großes Krankenhaus (z. B. über 600 Betten)

    • Mahlzeiten pro Tag: 1.800–3.000+.
    • Täglicher Kräuterbedarf: ca. 9–15 kg.
    • Flächenbedarf:
      • Outdoor: 1.200–2.000 m².
      • Hydroponik: 150–250 m².


Faktoren, die den Platzbedarf beeinflussen

  1. Kräuterauswahl:

    • Hochproduktive Kräuter wie Basilikum, Petersilie oder Schnittlauch benötigen weniger Fläche.
    • Selten genutzte Kräuter (z. B. Rosmarin) können weniger Platz bekommen.
  2. Ergänzung durch Gemüsebeete:

    • Falls Gemüse wie Salate oder Tomaten ebenfalls angebaut werden sollen, erhöht sich die Fläche entsprechend (z. B. +20–30 %).
  3. Platznutzung:

    • Vertikale Anbausysteme oder Dachgärten können den Platzbedarf erheblich reduzieren.


Flächenaufteilung im Detail

Ein optimal geplanter Kräutergarten für ein Krankenhaus könnte wie folgt aussehen:

  • 50 % Hauptkräuter: Petersilie, Schnittlauch, Basilikum.
  • 30 % Nebenkräuter: Thymian, Rosmarin, Oregano.
  • 20 % Spezialkräuter/Teekräuter: Minze, Kamille, Zitronenmelisse.


Beispiel: Planung für ein Krankenhaus mit 500 Betten

  • Täglicher Kräuterbedarf: ca. 7 kg.
  • Jährlicher Bedarf: ca. 2.555 kg.
  • Fläche:
    • Outdoor-Anbau: 850–1.000 m².
    • Hydroponik/Indoor: 100–150 m².